Das Umweltbewusstsein der Bevölkerung

6

Das Umweltbewusstsein der Bevölkerung in Thailand ist nicht sonderlich ausgeprägt. Überall liegen Plastiktüten und sonstiger Müll herum. Wird irgendwo eingekauft, läuft der Motor des Wagens weiter, damit die Klimaanlage angenehme Kühle spendet.

Die Abgase im Leerlauf, verpesten die ohnehin schon schlechte Luft noch ein wenig mehr. Das alles kümmert die Thais wenig.

Umweltschutz ist ein Tabuthema in Thailand

Die ältere Generation wird sich wahrscheinlich nicht mehr ändern, bleibt die Hoffnung, das Umweltbewusstsein der jungen Generation zu verändern. Mülltonnen und Container wurden inzwischen auch auf dem Land aufgestellt und da gehört der Müll rein.

Leider landet auch Sondermüll in den Tonnen, da sich keiner bereit erklärt zum Beispiel leere Batterien, abgelaufene Medikamente und Chemikalien umweltfreundlich zu entsorgen oder aufzubereiten. Sorglos schmeißt die Bevölkerung Behälter mit Altöl in die schon stark genug strapazierte Natur.

In besseren Wohngegenden wird der Müll ordnungsgemäß in der Tonne entsorgt. Andernorts wird er einfach vom fahrenden Moped aus an der Mülltonne vorbeigeworfen. Entsprechend sieht die Umgebung dann aus.

Vorbildliche Müllentsorgung. Der Müll kommt in die Tonnen, die Umgebung ist sauber.

Vorbildliche Müllentsorgung. Der Müll kommt in die Tonnen, die Umgebung ist sauber.

Kein schöner Anblick. Der Müll liegt neben der Tonne, zieht Ratten und anderes Ungeziefer an.

Kein schöner Anblick. Der Müll liegt neben der Tonne, zieht Ratten und anderes Ungeziefer an.

Leider scheint dieses Thema an den Schulen ein Tabu zu sein, der Staat betreibt auch keine Aufklärung und bei den Eltern sieht die Jugend, wie die den Müll entsorgen. In den kleinen, entlegenen Dörfern gibt es nur selten entsprechende Möglichkeiten den Abfall zu entsorgen.

Nicht selten fliegen Essensreste und Verpackungsmaterial zunächst einmal aus dem Fenster. Hat sich nach einiger Zeit genug angesammelt, wird alles zusammengefegt und mit den zahlreichen Plastiktüten, die bei jedem Einkauf anfallen, verbrannt. Das trägt genau wie die Autoabgase zu einer drastischen Verschlechterung der Luftqualität bei.

Nach einem Strandbesuch hinterlassen die Thais den Abfall einfach an Ort und Stelle. Anders als in Deutschland müssen sie nicht mit einer Strafe rechnen. Würden Umweltsünden mit einer Geldstrafe belegt, änderte sich die Situation vielleicht schneller.

Dazu gelernt haben auch die Verantwortlichen scheinbar nichts. Abwässer werden nach wie vor ins Meer geleitet, zerstören Flora und Fauna. Schwimmen ist an vielen Orten in Strandnähe wenig empfehlenswert.

Müll von den vielen Inseln in Thailand, der eigentlich auf dem Festland zu einer Mülldeponie transportiert werden soll, wird während der Überfahrt einfach ins Meer gekippt.

Mülltonnen sind nur spärlich vorhanden

Nicht jeder Haushalt in Thailand verfügt über eine Mülltonne, sondern diese werden in unregelmäßigen Abständen auf der Straße platziert. Hungrige Hunde und Katzen, auf der Suche nach Futter durchwühlen sie, dabei fliegt ein Teil des Abfalls auf die Straße.

Dann gibt es noch die Menschen, die recycelbare Dinge wie Flaschen, Dosen und Gläser in den Tonnen suchen, die sie dann an die Müllverwertung verkaufen. Bei der Suche schmeißen sie nicht verwertbares Material einfach auf die Straße. Sie gehören zu den Ärmsten der Armen. Ihnen kann man ihr Verhalten nicht einmal verübeln, da sie durch mangelnde Schulbildung in keinster Weise wissen was sie anrichten.

Reparaturarbeiten an Fahrzeugen werden im Freien ausgeführt

Mit den oben aufgeführten Umweltsünden aber nicht genug. Bei Mopeds, Motorrädern und Autos werden in kleineren Werkstätten die Reparaturarbeiten oft im Freien ausgeführt. Selbst vor einem Ölwechsel auf dem Bürgersteig schrecken die „Mechaniker“ nicht zurück. Entsprechend verdreckt sind die Gehsteige nach kürzester Zeit. Darüber wie und wo das Altöl entsorgt wird, möchte ich gar nicht erst nachdenken.

In Ayutthaya sah ich eine „Autolackiererrei“ mitten in der City. Die Lackierer demontierten die Stoßstangen, Spiegel, Blinker und alles was sonst noch so bei der Lackierung störte und schliffen das Fahrzeug ab. Nachdem die Grundierung aufgetragen war und das Auto noch einmal durchgeschliffen wurde, klebten sie es mit Zeitungspapier für die Endlackierung ab. Als sie anfingen das Vehikel in einem knalligen Rot zu lackieren suchte ich das Weite.

Selbst Autos werden ohne Rücksicht auf die Umweltschäden im Freien mitten auf der Straße lackiert.

Selbst Autos werden ohne Rücksicht auf die Umweltschäden im Freien mitten auf der Straße lackiert.

Umweltschutzgesetze werden nicht eingehalten

Das Umweltproblem in Thailand kann nur gelöst werden, wenn das Umweltbewusstsein der Bevölkerung verändert, sprich geweckt wird. Das kann nur durch Aufklärungsarbeit erreicht werden. Was nützt es, wenn wie in Pattaya, verschiedene Container zur Mülltrennung aufgestellt werden, deren Inhalt aber dann im gleichen Müllwagen abtransportiert wird.

Es gibt leider nur wenige Organisationen, die aktiven Umweltschutz betreiben. Selbst Gerichtsurteile welche dem Umweltschutz absolute Priorität zubilligen werden ignoriert. Umweltschutzgesetze, die auch in Thailand gelten, werden nicht eingehalten.

Mit der illegalen Entsorgung von Müll lässt sich Geld verdienen. Der Materialismus und die Korruption machen auch vor der Natur nicht halt. Firmen zahlen lieber relativ kleine Schmiergelder, als den Abfall ökologisch vertretbar und für teures Geld entsorgen zu lassen.

Es wird Zeit, dass endlich einmal mit dem Naturschutz, dem Klimaschutz und generell dem Umweltschutz begonnen wird. Sonst gibt es für die Thais einmal ein böses Erwachen.

Bis demnächst euer

Herby

6 Kommentare

  1. Lieber Herby,
    mit einem Schmunzeln habe ich Deine Kolumne über Umweltschutz gelesen, ich möchte aber einige Anmerkungen anbringen. Vorausschicken muss ich, das ich eigentlich ein sehr Umweltbewusster Schweizer Bürger bin. Ich bin mich gewohnt Abfall zu trennen, Batterien separat usw.usw.
    Das Thailand in dieser Hinsicht einen ziemlichen Aufholbedarf hat ist sicher unbestritten.
    Ich lebe in einem kleinen Dorf in der Nähe von Kosumphisai, mein Schwager ist Vorsteher dieses Dorfes, zudem sitzt er in der Verwaltung der Amphoe Muang Kosum.
    Da ich noch relativ viel unterwegs bin, ist mir natürlich auch aufgefallen, das in gewissen Dörfern vorbildlich Abfalltonnen vor jedem Haus stehen, die auch turnusmässig geleert werden.
    Natürlich habe ich meinen Schwager zur Rede gestellt, wieso es in unserm Dorf keine solchen Recycling Boxen ( nach Vorschrift der Provinzverwaltung) stehen.
    Die Antwort meines Schwagers lautete folgendermassen:
    1. Haben wir kein Fahrzeug um den Kehricht einzusammeln ( muss die Provinz bezahlen).
    2. Gibt es weit und breit keine Kehrrichtverbrennungsanlage ( hast Du mal eine gesehen, ich nicht!).
    3. Verbrennen die Gemeinden die einsammeln den Kehricht selbst, oder kippen in unverlesen in eine Müllkippe.
    4. Wenn jeder selber verbrennt kommt es aufs gleiche raus, und die Gemeinde wie der Bürger spart Geld.
    Diese Antwort hat mich stutzig gemacht, und ich habe mich mal etwas erkundigt, das wiederum hat bei mir zuerst Wut, dann Kopfschütteln und dann ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.
    Wie wir alle Wissen sollten ist bei den Thais halt oftmals der Schein der die Wirklichkeit überdeckt.
    Aber das sogar 5* Hotels ihren Müll von einem Schiff am Strand abholen lassen, der dann ausser Sichtweite der Touris ins offene Meer gekippt wird habe ich mit eigenen Augen gesehen ( Koh Samet & Phuket). Das die Abwasser der Hotels ebenso ungefiltert direkt ins Meer fliessen ist leider auch wahr.
    So habe ich mich an den jüngeren Sohn (16) gewandt, um mindestens herauszufinden was in der Schule so an Umweltbewusstsein gelehrt wird. Die Antwort war regelrecht ernüchternd, weil ausser 1x im Jahr Showmässig die Umgebung nach Abfall abzusuchen und einzusammeln, ist nichts vorhanden.
    Geschweige denn Informationen über Giftstoffe und ihre Auswirkungen auf die Umwelt.
    Wie soll ich jetzt da jemandem einen Vorwurf machen , meine 78-jährige Schwiegermutter habe ich schon früher aus meinen Bemühungen ausgenommen. Den Dorfbewohnern, der Provinzregierung, dem Staat selbst?
    Oder etwa den internationalen Hotel-/& oder Industriekonzernen, die wider besseres Wissen, Standarts die uns Europäern selbstverständlich erscheinen, nicht umsetzen.
    Wir vergessen einfach manchmal, das ausser (Zentral)Europa und die grossen Agglomerationen in den USA sich bis jetzt nirgendwo auf der Welt durchgesetzt haben (leider muss man sagen).
    Das böse Erwachen auf der Welt ist (leider) nicht überall angekommen, und wenn die Thais in 5 Jahren aufwachen sind sie längst noch nicht Letzten, und schon gar nicht die Grössten.

    • Hallo Roman,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar, soweit liegen unsere Meinungen scheinbar nicht auseinander. Aufklärung tut Not und die einzelnen Gemeinden müssten endlich einmal etwas Geld locker machen, um den Müll ordnungsgemäß zu entsorgen.

      Gruß
      Herbert

  2. Danke für diesen Bericht Herbert
    Ja, in der Tat es muss noch viel getan werden bis die Bevölkerung merkt wie sehr sie Ihre Umwelt zerstören. Es gibt diverse Umweltorganisationen, bei uns in der näheren Großstadt hatte Greenpeace mal einen Stand mit Infomaterial. In unserem Dorf findet ab und an mal eine Veranstaltung statt.
    Ich habe mir erlaubt den link zu meinem Bericht auf meine Webseite anzufügen.
    Wie Roman schreibt haben einige Dörfer einfach nicht die notwendigen Mittel um das notwendige bereitzustellen.
    Jürg

    • Hallo Jürg,

      der Artikel auf deiner Seite gefällt mir und die Bilder und das Video zeigen eindrucksvoll wie es mancherorts in Thailand aussieht. Da besteht ein großer Handlungsbedarf.

      Gruß
      Herbert

    • Peter Mahnke on

      Mittel, bei uns geht es und es ist auch bezahlbar. Ich zahle 300 Baht im Jahr für die Müllabfuhr.

  3. Peter Mahnke on

    Seit zwei Jahren haben wir eine Müllabfuhr und das Problem ist zum größten Teil aus der Welt. Unser Dorf ist fast Plastik frei, obwohl es fast angeboren ist bei meinen lieben Thais, alles was sie nicht mehr brauchen fallen zu lassen.

Leave A Reply