Mein neues Leben in Jomtien

8

Wenn ich ehrlich sein soll, hatte ich mir mein neues Leben um einiges anders vorgestellt. Mein Traum war es noch einmal mit dem Motorrad durch ganz Thailand zu fahren, wie ich es vor vielen Jahren schon einmal machte.

Wie ich bereits in einem anderen Artikel erwähnte, verkaufte ich mein ganzes Hab und Gut, behielt nur das Nötigste und selbstverständlich mein Motorrad die 250 er Honda. Dann ging es los, zunächst nach Nong Khai. Dort verbrachte ich einige Zeit dann ging es weiter in fünf andere Provinzen. In Loei hielt ich mich länger auf, verbrachte eine schöne Zeit dort.

Die Einheimischen waren sehr freundlich und die Landschaft grandios. Viele Touren in die nähere und weitere Umgebung mit ihren kurvenreichen Strassen machten riesigen Spaß. Dann wurde es langsam Zeit mich Richtung Pattaya zu bewegen. Dort musste ich mein Visum verlängern lassen und wollte mich mit einem Freund treffen. Einen Zwischenstopp in Ayutthaya nutzte ich um mir die alten Tempel, den riesigen Markt und das Backpacker – Viertel anzusehen.

In Jomtien ereilte mich dann mein Schicksal

Die Visa – Angelegenheiten waren schnell erledigt, mit meinem Freund verbrachte ich eine schöne Zeit. Einquartiert hatte ich mich bei meinem alten Kumpel Rolf. Nachts gegen 23.30 wachte ich auf und wollte zur Toilette gehen. Nur mit Mühe und unter erheblichen Schmerzen war mir das möglich, aufrecht gehen ging gar nicht. Jedesmal wenn ich mich im Bett umdrehte jammerte ich vor mich hin. Ich bin sicherlich kein Weichei, Arztbesuche schiebe ich meist vor mich her, in der Hoffnung: Das wird schon wieder. Diesmal nicht, Krankenhaus war angesagt.

Als die Krankenschwestern mich da mit kleinen Schritten ankommen sahen, verfrachteten sie mich sofort in einen Rollstuhl. Nach den Röntgenaufnahmen lautete die Diagnose: Bandscheibenvorfall! Es wurden Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente verabreicht, die allerdings kaum Besserung brachten. Nachdem ich zwei weitere Krankenhäuser besuchte, nur Unsinn zu hören bekam, jedenfalls in meinen Augen, gab ich auf. Haderte mit meinem Schicksal!

Das Appartement hat circa 43 qm und einen großen Balkon. Wir leben gerne dort.

Das Appartement hat circa 43 qm und einen großen Balkon. Wir leben gerne dort.

Ich mietete mir ein Condo in Jomtien, da ich nicht damit rechnete meine Tour durch Thailand fortsetzen zu können. Damit hatte ich dann einmal Glück. Die Anlage ist ruhig gelegen und preiswert. Die Krankenhäuser hatten mich einiges an Geld gekostet, sparen war angesagt.

Es kam noch schlimmer

Nach einigen Wochen fühlte ich mich wieder fit genug kurze Strecken mit dem Motorrad zu fahren. Das ging eine ganze Zeit gut, dann schlug das Schicksal wieder zu. Auf der Soi Chaiyapruek bekam ich aus heiterem Himmel einen Schwindelanfall auf dem Motorrad, vollkommener Blackout, stürzte mit dem Bike. Diesmal die Diagnose: Angina Pectoris.

Glücklicherweise nichts gebrochen, aber schmerzhafte Prellungen sowie Hautabschürfungen am ganzen Körper. Zu der Zeit lebte ich noch alleine, es war nicht einfach mit der Situation zurecht zu kommen. Wegen der Abschürfungen konnte ich eine Woche lang nicht duschen, Infektionsgefahr meinten sie in der Klinik in die die ich jeden Tag zum Verbandswechsel musste. Das alles zu Fuß, auf das Motorrad traute ich mich nicht mehr.

Ich ertränkte meinen Frust im Alkohol

Der Bandscheibenvorfall zwang mich meine Tour durch Thailand abzubrechen, durch den Sturz keinen Mut mehr mich auf das Motorrad zu schwingen. Ich bin seit gut dreißig Jahren eingefleischter Biker, meine kleine Welt brach zusammen.

Im Nachhinein muss ich zugeben, es war so ziemlich das Dümmste was ich machen konnte mir jeden Tag die Kannte zu geben. Darunter litt meine Gesundheit noch mehr, der Alkohol zog mich zusätzlich runter. Dann lernte ich meine jetzige Freundin Koi kennen, mit der ich nun schon seit acht Monaten zusammenlebe.

Sie redete mir ins Gewissen, ich sollte mit der Trinkerei aufhören, der Realität ins Auge sehen. Das gab mir zu denken. Eine Thai Frau, die einen Farang dazu ermutigt dem Alkohol zu entsagen. Die Mädels sehen es normalerweise gerne, wenn Ausländer dem Alkohol zusprechen, dann sitzt das Geld wesentlich lockerer. Ich riss mich also zusammen, akzeptierte meine Rückenprobleme, fand mich damit ab wahrscheinlich nicht mehr mit dem Bike unterwegs sein zu können.

Koi half mir mein Leben wieder in den Griff zu bekommen

Koi bei ihrer Lieblingsbeschäftigung: Fernsehen.

Nach kürzester Zeit zog Koi bei mir ein, tat alles damit es mir wieder besser ging und half mir mein Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Mit dem Alkohol war Schluss, bekam und bekommt mir wesentlich besser. Mittlerweile fahre ich wieder kurze Strecken mit dem Motorrad, ich muss eben Abstriche machen.

Mit ihr macht es wesentlich mehr Spaß etwas zu unternehmen, als alleine durch die Weltgeschichte zu eiern. 🙂 Eigentlich wollte ich ja keine Partnerin mehr.

Koi betreibt schon seit vielen Jahren ihr Fitnesstraining und ich fand auch Gefallen daran.

Koi betreibt schon seit vielen Jahren ihr Fitnesstraining und ich fand auch Gefallen daran.

Wir unternahmen Touren in ihren Heimatort Nakhon Ratchasima, in Khon Kaen besuchten wir einen meiner Freunde und auch in Nong Khai verbrachten wir eine schöne Zeit.

Beide blicken wir positiv in die Zukunft, möchten einen Ortswechsel vornehmen, weg aus Pattaya. Da es mein letzter Umzug sein soll, lassen wir uns bei der Wahl des Ortes Zeit.

Wieder einmal ein Beweis dafür, dass nicht alle Thai Frauen nur am Geld interessiert sind, denn bei mir ist mit Sicherheit nicht viel zu holen. Mit ihrem guten Aussehen könnte Koi sicherlich andere Männer haben, sprich mehr Geld, auch wenn sie bereits 50 Jahre alt ist. Ich hoffe, es läuft weiterhin so gut mit uns beiden und wir haben weiterhin unseren Spaß.

Bis demnächst euer

Herby

8 Kommentare

  1. Heidi Hoerath on

    Herzlichen Glückwunsch, super Herby, dass Du es geschafft hast! Freut mich riesig für Euch! …und Danke für Deine offenen und ehrlichen Zeilen!

    • Hallo Heidi,
      war keine so tolle Zeit für mich und ohne Koi hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft, ich gab mich voll meinem Frust hin, jammerte rum, haderte mit allem. Jetzt geht es mir wieder blendend, habe wieder Spaß am Leben.
      Lieben Gruß
      Herby

  2. bravo herby super gemacht von dir.ich bin auch fast dem alkohol verfallen nachdem icheinen rausschmiss von meiner noch jetzigen verheirateten frau bekommen habe.seither ist mehr als ein jahr
    vergangen und ich habe auch eine neue freundin kennengelernt die hat mir geholfen wegzukommen vom alkohol.ich bin seit vier jahren hier in thailand habe davon 3 jahre auf dem lande gelebt und jetzt in banglamung.das landleben ist wesentlich ruhiger gewesen aber hier am statdrand von pattaya gehts auch.ist ja nicht weit ans meer und bis ins zentrum.ich bin jetzt 68 und will das leben noch geniessen.
    schoenen gruss erwin

    • Hallo Erwin,
      der Alkohol scheint nur die leichtere Lösung zu sein, an der bestehenden Situation ändert er nichts. Erkannte ich auch ziemlich spät.
      Frauen können einen ganz schön runterziehen. Aber wenn einem die Richtige über den Weg läuft, bringt das neuen Schwung ins Leben, die Welt sieht sofort wieder ganz anders aus. Man (Mann) hat wieder eine neue Perspektive.
      Wir leben gar nicht so weit voneinander entfernt. In Banglamung war ich vor einer Woche auf dem Markt in der Nähe des Krankenhauses.
      Ich wünsche dir weiterhin viel Glück mit deiner neuen Partnerin.
      Lieben Gruß
      Herby

  3. Hallo Herby,
    seit über 3 Jahren verfolge ich mit großem Interesse Deine Mails.
    Ich freue mich riesig, dass es Dir wieder besser geht. Du schreibst immer offen und ehrlich…toll!
    Ich wünsche Dir und Koi eine lange und glückliche Zeit und ein schönes Leben.

    Werde am 8. Juni in Bangkok ankommen und freue mich auf das Leben mit meiner Nutty.

    Lieben Gruß
    Michael

    • Hallo Michael,
      freut mich, dass dir mein Blog schon über so einen langen Zeitraum hinweg gefällt. Mir geht es wieder gut dank Koi, hoffe das bleibt auch so. Ich versuche objektiv zu bleiben, auch wenn es mich selber betrifft. Sonst würde ich mir etwas vormachen.
      Dir wünsche ich eine tolle und erholsame Zeit in Bangkok.
      Lieben Gruß
      Herby

  4. Hallo Herby,

    sag mal, wie kommst Du in Jontien so klar?
    Ich war da eine zeitlang, aber mich störten am Beach die nacht- und tag(!)-aktiven Mücken – oder sind es Sandflöhe???
    Also mir hat es da nicht so gut gefallen, dann schon eher Rayong.
    Was ist Deine Sicht der Dinge? Hältst Du es da aus? (Wobei, verglichen mit einem Bandscheinvorfall sind Stechmücken das kleine Übel! 🙂 Außer sie haben Malariaparasiten an Bord…)

    Martin1 – der Ende Mai wieder nach Bangkok fliegt. 🙂

    • Hallo Martin,

      also die Moskitos können einen schon abnerven, gerade jetzt in der Regenzeit. 🙂 Von Sandflöhen wurde ich allerdings noch nicht belästigt.
      Ansonsten komme ich in Jomtien gut klar. Seit geraumer Zeit halte ich mich so gut es geht von der Barszene fern, mache mein eigenes Ding mit Koi. Morgens gehen wir zur Fitness, danach sind wir unterwegs, um meine Videos aufzunehmen. Viel Zeit verbringe ich am PC mit der Bearbeitung der Filmchen, und manchmal schreibe ich noch einen Artikel für meinen Blog. Das ist allerdings wie ich zugeben muss weniger geworden. Kein sehr aufregendes Leben, aber ich mache hier keinen Urlaub, sondern lebe in Thailand. Das ist ein großer Unterschied.
      Lieben Gruß
      Herby

Leave A Reply