Ratten sind ein Genuss

2

Die Bewohner der Provinz Pitsanulok in Thailand wissen es bereits seit langer Zeit: Ratten sind ein Gaumenschmaus. Die Ratten werden bevorzugt scharf gebraten, wie die Thais es am liebsten mögen und dann mit Genuss verzehrt.

Nicht nur das, in Mae Rahan bedeuten die Überschwemmungen und die daraus resultierende Rattenplage einen guten Nebenverdienst.

Hochwasser bringt Geld in die Kasse

Jedes Jahr, fast zur gleichen Zeit, werden die Reisfelder und das weitere Umfeld der Region Mae Rahan vom Hochwasser heimgesucht. Warum noch Reis anpflanzen, wenn die kleinen Reispflanzen doch durch die Wassermassen zerstört werden sagten sich viele der Bewohner. Also verlegte sich die findige Bevölkerung auf den Fang von Ratten, Fischen, Schlangen und anderem Getier, das bei den Thais als Delikatesse gilt.

Wer weiß, welche Fleischsorten außer Ratten auf den Märkten noch angeboten werden.

Wer weiß, welche Fleischsorten außer Ratten auf den Märkten noch angeboten werden.

Allerdings sind nur die Feldratten ein Genuss. Der Verzehr von Ratten die sich auf den Märkten tummeln oder in der Kanalisation leben, wird kategorisch abgelehnt. Was sie nicht für den eigenen Bedarf benötigen, verkaufen die geschäftstüchtigen Einheimischen.

Was für die einen ein Fluch, ist für die anderen ein Segen. Das Hochwasser hält in der Regel drei Monate an und ermöglicht es den Männern, mit den seltsamsten Gerätschaften auf die „Jagd“ nach den begehrten Delikatessen zu gehen. Je höher der Wasserstand, desto mehr Ratten und Reptilien werden angespült und gefangen. Nach den Nachbarländern Vietnam und Kambodscha liegt Thailand an dritter Stelle beim Verzehr von Rattenfleisch.

Da überwiegend die Landbevölkerung die Vorliebe für die exotische Fleischsorte entwickelte, gehen Wissenschaftler davon aus, dass ursprünglich die Ernte vor den Nagern geschützt werden sollte. Beim Versuch das Fleisch zu grillen oder zu kochen stellten die Thais fest, dass es schmackhaft ist.

Daraus entwickelte sich dann schnell ein Geschäft. Der Preis für ein Kilogramm des begehrten Fleischs kann bis zu 270 Baht betragen. Es ist also nicht nur das Hundefleisch, welches bei den Thais hoch im Kurs steht.

In anderen Ländern kam es schon zu Skandalen, da Händler das Rattenfleisch als Lamm- oder Rindfleisch deklarierten.

Ratten brachten den Wohlstand

Einige Bewohner der Provinz Mae Rahan sollen es durch den Fang und den Verkauf zu einem gewissen Wohlstand gebracht haben. Auch in den zahlreichen Restaurants gilt das Rattenfleisch als ein Genuss, steht auf den Speisekarten. Die Ratten in den Speiselokalen werden teilweise lebend in Käfigen gehalten. Der Gast sucht sich eine aus und das arme Tierchen landet im Kochtopf.

Ohne es zu wissen, habe ich selber schon einmal Ratte gegessen. Schmeckte irgendwie ähnlich wie Hühnerfleisch. Die Thais lachten sich kringelig, als sie mein entsetztes Gesicht sahen nachdem sie mir sagten was ich da zu mir genommen hatte.

Ratten sind auch in anderen asiatischen Ländern eine Delikatesse. Vorneweg in Vietnam. In Kambodscha werden die Ratten für Vietnam gezüchtet und etwa 300 Tonnen werden pro Jahr nach Vietnam geliefert. Es ist also nicht die Armut, die Ratten zu einem Genuss werden lässt.

Kulturelles über Ratten

Bei uns in Europa sind Ratten mit einem eher negativem Image behaftet. Wer kennt nicht die Sprüche: „Die Linke Ratte“ oder „die Ratten verlassen das sinkende Schiff.“ Auch die Geschichte vom „Rattenfänger von Hameln“ hat eher einen negativen Charakter.

Begriffe wie: „Rattenloch“ (gemeint ist eine Wohnung in schlechtem Zustand) oder „Landratte“ (für Menschen die nichts mit der Seefahrt zu tun haben) sind längst in unseren umgangssprachlichen Wortschatz eingeflossen.

In Asien werden den Ratten eher positive Eigenschaften zugeordnet. Symbolisch stehen sie für Intelligenz, Einfallsreichtum und Ehrlichkeit. Die Hindu Gottheit Ganesha wird als Reiter auf einer Ratte dargestellt. In China ist sie ein wichtiger Bestandteil der Astrologie.

Lasst euch den Appetit nicht verderben, Geschmäcker sind verschieden. Für Asiaten in diversen Ländern werden die Ratten weiterhin ein Genuss bleiben.

Bis demnächst euer

Herby

2 Kommentare

  1. Peter Mahnke on

    Hi Herby , auch hier in Loei wird die Ratte auf dem Markt angeboten, ausgenommen und die Eingeweide , wie Leber, Herz oben rauf gelegt. Ich habe nie nach dem Preis gefragt, da es fuer mich absolut nicht in Frage kommt eine Ratte zum Lunch oder Dinner zu verzehren, auch Hund, Katze und Pferd gehoert dazu, hat aber andere Gruende. Insekten habe ich auch schon gehabt, die Eier der Baumameise in einer Suppe, schmecken wie kleine Nudeln Ok das geht, aber nie eine Ratte.
    Bin gespannt auf Deinen Bericht ueber Loei, Chiang Khan, Nong Khei, da laesst Du Dir viel Zeit fuer, Schade, Liebe Gruesse Peter

    • Hallo Peter,

      danke für deinen Kommentar. Bei meinem Besuch bei dir versprach ich einen Artikel über Loei zu schreiben, hat mir ausnehmend gut gefallen dort. Bin allerdings momentan ziemlich im Stress. Am Samstag kommt ein guter Freund von mir nach Pattaya, von dort geht es mit seinem Leihwagen für zwei Wochen in den Süden. Der Artikel über Loei ist in Arbeit, leider dauert es damit etwas länger.

      Ebenfalls Liebe Grüße
      Herbert

Leave A Reply