Thailand aus der Sicht der Thais

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Thailand aus der Sicht der Thais unterscheidet sich vollkommen von unseren Vorstellungen über das Land und die Menschen. Urlauber werden dies in der kurzen Zeit nicht realisieren, aber der Auswanderer wird mit der Zeit erkennen, welche Lebenseinstellung die Thais haben. Da ist längst nicht alles so positiv wie es den Anschein hat. Die meisten Urlauber verbringen ihre Zeit auf Phuket oder im Seebad Pattaya, wo alles durchorganisiert und auf den Urlauber zugeschnitten ist. Die wirkliche Mentalität der Bevölkerung lernt er dort mit Sicherheit nicht kennen.

Thais zeigen nicht was sie empfinden

Thais werden im allgemeinen als hilfsbereit, freundlich und entgegenkommend beschrieben. Dies ist Ausländern gegenüber zumeist nur Fassade. Die Freundlichkeit verbunden mit einem Lächeln zahlt sich für sie in klingender Münze aus. Das Lächeln dient oft dazu, Ärger, Wut, Unvermögen, oder Scham dahinter zu verstecken. Nie zeigen wie sie wirklich empfinden. Thailand hat mannigfache soziale, ökologische und wirtschaftliche Probleme. Die Einheimischen also gar nicht so viele Gründe zu lächeln. Gerade in den ländlichen Gebieten ohne Industrie und einer Landwirtschaft die nur geringe Profite abwirft, leiden die Menschen oft Not. Der Isaan ist das Armenhaus in Thailand. Thais versuchen auch damit locker umzugehen werden ihren Kummer hinter dem Lächeln verstecken. Aus der Sicht der Thais die einfachste Möglichkeit, zudem die bequemste.

Diese Sichtweise macht macht vielen Ausländern die lange in Thailand leben sehr zu schaffen. Thais sind Egoisten, denken immer zuerst an sich selber, als nächstes an die Familie. Wie andere Menschen im Leben zurecht kommen, interessiert sie bitter wenig. Dies zeigt sich an einem einfachen Beispiel. Da die Thais an die Wiedergeburt glauben, ist jeder für sein Schicksal selber verantwortlich. Geht es ihm wirtschaftlich nicht gut, hat er im früheren Leben etwas falsch gemacht und muss nun dafür zahlen. Aus diesem Grund sieht man selten, dass Thais einem Bettler etwas spenden. „Som Nam Na“ selber Schuld sagen sie in so einem Fall. Ihre Einstellung grenzt an Fatalismus.

Nur langsam ändert sich ihre Sichtweise

Langsam wacht die Bevölkerung auf. Lange Zeit ertrugen sie ihre Armut ohne zu murren, dies hat sich geändert. Sie erkennen immer mehr, dass der Reichtum einiger, weniger durch Korruption und dubiose Geschäfte zustande kam, wenig mit der Religion und dem früheren Leben zu tun hat. Deswegen auch die vermehrten Proteste gegen die Regierungen in der Hauptstadt Bangkok. Aus der Sicht der Thais muss ihnen das Geld ohne sich großartig anstrengen zu müssen in den Schoss fallen. Ihr Leben wurde durch die Jahreszeiten bestimmt. Es wurde gepflanzt und geerntet die Zeit dazwischen verbrachten sie mit nichts tun. In der heutigen Zeit funktioniert das aber nicht mehr. Wir bezeichnen sie als faul, aus der Sicht der Thais stimmt das keinesfalls. Werden sie darauf angesprochen, reagieren sie empört und verärgert. Arbeit muss Spaß bringen sonst bleibt sie halt liegen. Arbeit ist Mittel zum Zweck. Haben sie genug verdient, legen sie für einige Zeit die Füsse hoch und lassen es sich gut gehen. Sanuk (Spaß) ist angesagt. Dies soll keine Kritik an den Einheimischen sein, sie sind wie sie sind und wir Ausländer werden sie nicht ändern können. Es wird noch Jahre dauern, ehe sie ihre Sichtweise ändern.

4 Kommentare

  1. … das kann ich nur bestätigen: „die Thais sind wie sie sind und wir Ausländer werden sie nicht ändern können“ – wir können allenfalls so eine Art „Vorbilder“ sein, wie man sich umweltbewußt und „anständig“ benimmt. Ich lebe im Südosten Thailands auf-dem-Lande in Soi Dao auf einer kleinen 1ha-Farm meiner thailändischen Frau (ja, ich bin „anständig“ verheiratet – auch damit meine Frau mal mit der Witwenrente „anständig“ leben kann) und habe mir ein kleines feines klimagerechtes (ohne AC) gebaut – ich bin von Beruf Architekt und bin immer am „Planen“. Das ist auch das Problem in Thailand, wie in den meisten „Entwicklungsländer“ (nach westlicher Sicht): die Thais leben heute und jetzt und wenn Geld da ist, wird es auch ausgegeben. Andere Probleme sind: das mangelnde Bewußtsein über „nachhaltiges“ Leben, also die Verwendung von Pestizide in der Landwirtschaft (weil den Thais von BASF und Co. weisgemacht wird, daß man dann keine Unkräuter mehr hacken muß) oder die gedankenlose Verwendung von Plastik in jeglicher Form, einschließlich der Entsorgung in die Umwelt. Ich ernte immer etwas erstaunte Blicke, wenn ich beim Einkaufen meinen Stofftragebeutel hinhalte und sage „no plastic“ …
    Aber ich liebe das tropische Thailand, habe einen kleinen dt. Rentner-Falang-Stammtisch, habe meinen eigenen WiFi-Kabelanschluß für meinen Mac, mit dem ich Kontakt zu meiner dt. Familie habe und bin zufrieden – auch ohne Auto, die Busverbindungen sind gut und meine Frau ist eine vorsichtige Mopedfahrerin: ich hock mich einfach hinten drauf (in Pattaya bin ich noch selbst gefahren, aber hier an der Highway 317 läßt mich meine Frau nicht mehr fahren – ich wäre zu alt).

    • Mal ein Gedankenexperiment: Da kommt ein Thailänder nach Deutschland und sagt uns, wie wir zu leben haben! Wir würden natürlich sofort und begeistert seine Vorstellungen übernehmen. 😉

      Ich merke immer wieder, dass viele Deutsche, vor allem so „grünlinke“, immer noch der Vorstellung hinterherrennen, dass am deutschen Wesen die Welt genesen müsse…
      NEIN! Muss sie nicht!

  2. Na, mich hat Thailand dazu gebracht, über mein eigenes Leben, und das, was als „normal“ gilt in Deutschland nachzudenken…
    Wenn sogar schon unsere Nachbarn, die Franzosen, sagen, dass in Deutschland immer nur gearbeitet wird, dann frage ich mich, ob das (insbesondere angesichts der extrem hohen Steuersätze) wirklich Sinn und Inhalt eines Menschenlebens sein sollte…
    Macht es glücklich, wie der Hamster im Käfig zu leben?

    Und: die Stromverkabelung in Thailand… SCHOCK! Aber: es geht doch auch! Muss immer alles 150 %-ig abgesichert sein wie in Deutschland?

    Heißt „Thailand“ nicht „Land der Freien“?

    • Irgendwie kriegen die Thais immer alles geregelt. Auf welche Art und Weise spielt ja im Prinzip keine Rolle. Das Resultat zählt. 🙂

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