Verschuldung der Thais steigt weiter

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Die Banken in Thailand scheinen umzudenken. Ein Großteil der Verschuldung der Thais ist auf den Kauf von Neuwagen und Mopeds zurückzuführen. Der Schuldenberg durch Kredite steigt weiter stark an. Fast alle anderen Konsumgüter werden ebenfalls mit Krediten finanziert, da das geringe Einkommen sonst nicht für deren Anschaffung reicht.

Strengere Maßstäbe bei der Kreditvergabe

Mit der Rückzahlung der Kredite geraten die Thailänder oft in Verzug, die gekauften Waren werden durch die Banken gepfändet. Das ist für diese mit Kosten verbunden. Jetzt sollen bei der Kreditvergabe strengere Maßstäbe angelegt werden.

Der Staat ist gleichfalls nicht ganz schuldlos an der weiter steigenden Verschuldung. Die Thais nutzten das staatliche Förderprogramm für den Autokauf. Das räumte ihnen erhebliche Steuervorteile ein. Das Förderprogramm bescherte der Automobilindustrie im Jahr 2012 einen Absatz von 1,2 Millionen Fahrzeugen.

Der Absatz, besonders bei Pickup Fahrzeugen steigt weiter. Aber auch Kleinwagen sind auf dem Vormarch. Geringer Verbrauch, niedrige Steuern und Versicherungsprämien machen sie für die Bevölkerung interessant.

Die Haushaltskasse der Autokäufer wird durch einen Kredit monatlich mit bis zu 8000 Baht belastet. Oft reicht das Geld dadurch hinten und vorne nicht. Es ensteht ein Kaufkraftverlust von mehr als 8 Milliarden Baht pro Monat. Das schadet wiederum der thailändischen Wirtschaft.

Die Banken wollen laut eigener Auskunft, Kredite nur noch an besser Verdienende vergeben. Dazu zählen Arbeitnehmer mit einem Einkommen ab 30.000 Baht im Monat. So hoffen sie einer weiteren Verschuldung der Thais vorzubeugen.

Das führt zwangsläufig dazu, dass die unteren Einkommensschichten auf die Anschaffung eines Autos verzichten müssen. Privatkunden können Kredite bereits ab einem Einkommen von 15.000 Baht in Anspruch nehmen.

Die Verschuldung der Bevölkerung stellt seit Jahren ein ernst zunehmendes Problem in Thailand dar. Gibt es kein Geld von der Bank, gehen sie zu privaten Verleihern. Bei deren Wucherzinsen, steigt der Schuldenberg erst recht weiter an. Regierung und Banken wollen die weitere Entwicklung weiterhin aufmerksam verfolgen.

Laut den Statistiken soll die Pro-Kopf-Verschuldung der Thais mittlerweile fast 250.000 Baht betragen.

Wie kommt es zur Verschuldung der Thais?

Bereits seit Jahren steigt die Inflationsrate in Thailand permanent an. Nach wie vor liegt der Durchschnittsverdienst der ärmeren Thai-Bevölkerung deutlich unter 10.000 Baht im Monat. Viele sehen sich gezwungen teure Darlehen bei den wenig beliebten Kredithaien aufzunehmen.

Schon sitzen sie in der Schuldenfalle. Die Zinsen die sie zahlen müssen sind der reinste Wucher. Meist können nur die Zinsen für den laufenden Monat getilgt werden, an der Summe des Kredits ändert sich nichts.

Die landesweit niedrigen Löhne tragen mit zur Verschuldung bei. Die Lebenshaltungskosten steigen rapide, die Einkommen wachsen hingegen wenn überhaupt nur unzureichend. Mit 9000 Baht je Monat wird es außerordentlich schwer für eine Familie mit Kindern die laufenden Kosten zu decken.

Ein Großteil der Thailänder nimmt für den Mopedkauf einen Konsumkredit auf.

Ein Großteil der Thailänder nimmt für den Mopedkauf einen Konsumkredit auf.

Thais denken weniger an die Zukunft sondern an das „Jetzt und Heute“. Heute haben sie das Geld um ein Moped anzuzahlen machen sich aber keinerlei Gedanken darüber, das die monatliche Rate mit circa 1500 Baht ihr Budget belastet.

Wird der Kredit nicht abgetragen, holen die Banken die Fahrzeuge wieder ab. Mehrfacher Verlust für den Käufer: Die Anzahlung, die bereits geleisteten Raten und das Fahrzeug können als Erfahrung verbucht werden.

Auch die Banken machen ein Minusgeschäft. Die Fahrzeuge sind in einem desolaten Zustand wenn sie abgeholt werden. Oft dauert es Monate den Käufer aufzuspüren da er auf der Flucht vor seinen Gläubigern den Wohnort wechselte. Der Weiterverkauf gestaltet sich für die Banken als schwierig, da Thais ungerne gebrauchte Fahrzeuge kaufen. Das alles wirkt sich negativ auf die gesamte Wirtschaft Thailands aus.

Die Verschuldung der Thais kann meiner Meinung nach nur eingedämmt werden, wenn die Banken bei der Vergabe von Krediten strengere Maßstäbe anlegen.

Die Bevölkerung sollte vor den Kredithaien gewarnt werden und sie müsste bei Antragstellung über die Risiken eines Kreditvertrages von den Banken aufgeklärt werden. Sonst steigt der Schuldenberg noch weiter an.

Optimal wäre es natürlich wenn endlich einmal die Löhne den tatsächlichen Lebenshaltungskosten angepasst würden.

Bis demnächst euer

Herby

6 Kommentare

  1. kamnerphet-mahnke on

    Hi Herby,
    sehe du bist recht fleißig mit neuen Berichten, Treue der Thai-Frau, na ja, das ist überall auf der Welt das GLEICHE.
    Verschuldung der Thais ist ein großes Problem. Es gibt 18 % Thai-Chinesen und die haben 80 % des Volksvermögens, eben deshalb weil sie nicht nur von HEUTE AUF MORGEN leben sondern auch an die Zukunft denken. Meine „Thai Freunde“ haben alle chinesisches Blut, die Familie ist zu 50 % (Nachwuchs 25 %) mit vietnamesischen Wurzeln auch etwas anders denkend.
    Gott sei Dank.
    Liebe Grüße
    Peter

  2. Lieber Herby!
    Wenn du denen die Loehne erhoehst verprassen sie noch mehr und machen noch mehr Schulden. Nach so vielen Jahren in Thailand wirst du ja nicht wirklich erwarten dass hier etwas vernuenftiges passiert, oder??

    • Hallo Andreas,

      Man sollte die Hoffnung nie aufgeben, vielleicht ändern sie ihre Einstellung doch noch und denken irgendwann einmal Zukunftsorientierter.

      Gruß
      Herbert

      • Rainer Wollenweber on

        Hallo Herbert,
        wohne seit 8 Jahren im Isaan, und glaube, wenn überhaupt ein Umdenken statt findet, dann erst bei nachfolgenden Generationen, und auch das wird schwierig, weil die Kinder es von ihren Eltern so lernen, und es dann auch so machen.
        Das Umdenken müßte in den Schulklassen statt finden !!
        Gruß Rainer

  3. Hannelore Grill on

    Danke Herby,

    für deine Auskunft. Ja, ich glaube viele Haushallte in der Welt sind sehr verschuldet. Grob gesehen wird so Geld erzeugt. Auch in gewissen Länder in Europa bekommt man Steuerreduzierung wenn man Kredit aufnimmt. Dadurch will man die Wirtschaft ankurbeln – es wird mehr produziert und bringt weniger Arbeitslose. Diese Politik muss jedoch in strengen Zügeln gehalten werden. Dies gilt extra für die Thais. Die buddhistische Religion hat ihnen schon mit der Muttermilch beigebracht „hier und jetzt“ zu leben. Man soll sich gelassen verhalten und nicht an die Zukunft denken. Auch die Vergangenheit soll nicht analytisch betrachtet werden. Ungebundenheit und nicht festklammern sind weitere Eckpfeiler auf dem Blick das Leben. Gier ist ganz schlecht und davon sind vielleicht die Banken beeinflusst? Ich glaube, all dies zusammen mit modernen ökonomischen Denken ist keine gute Kombination. Spannend zu hören wie es da weitergeht.
    Viele Grüße aus Wien – Hanna

  4. Zitat:“ Auch die Banken machen ein Minusgeschäft. Die Fahrzeuge sind in einem desolaten Zustand wenn sie abgeholt werden. Oft dauert es Monate den Käufer aufzuspüren da er auf der Flucht vor seinen Gläubigern den Wohnort wechselte. Der Weiterverkauf gestaltet sich für die Banken als schwierig, da Thais ungerne gebrauchte Fahrzeuge kaufen. Das alles wirkt sich negativ auf die gesamte Wirtschaft Thailands aus.“

    Um die Banken braucht sich niemand Gedanken zu machen, da deren Geschäft in deren Büchern stattfindet. Solange der thailändische Staat ein Auge darauf behält, dass importierte Fahrzeuge mit einer ausreichenden Steuer belastet werden, läuft hier in Thailand in Sachen Gebrauchtfahrzeuge alles glatt!
    Vielen Dank für den Artikel. Eine subjektive Bestandsaufnahme der offensichtlichen, volkswirtschaftlichen Probleme, die leider nicht in die Tiefe der Ursachen dieser Probleme eingeht.

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